Das IT-Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Capgemini analysiert in seinem World Payments Report 2019 die Entwicklung des globalen Zahlungsverhaltens zwischen 2016 und 2017. Zu erkennen ist ein weltweiter Anstieg der bargeldlosen Transaktionen um 12 Prozent. Deutschland verzeichnete während dieses Zeitraums einen Zuwachs von 3,1 Prozent auf mehr als 21,1 Milliarden bargeldlose Zahlungsvorgänge. Dabei hatte das Lastschriftverfahren zu diesem Zeitpunkt mit etwa 10,3 Milliarden Transaktionen die größte Bedeutung.

Wunsch nach Veränderung trotz Bargelddominanz

Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Jahr 2019 ergab, dass sich 62 Prozent der Befragten in Deutschland eine gesetzliche Verpflichtung für jeden Händler wünschen, mindestens eine bargeldlose Bezahlmöglichkeit anzubieten. Trotzdem ist in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern die Zahlung mit Bargeld noch stark verbreitet. So berichtete die Bundesbank, dass 2017 der Anteil der Barzahlungen an allen Transaktionen 74 Prozent betrug. Aufgrund der Popularität von Bargeld als mit Abstand meistgenutztes Zahlungsmittel in Deutschland ist auch die Zahlungsart Barzahlen entstanden.

Die Bedeutung bargeldloser Zahlungsmethoden steigt jedoch stetig. Dabei nimmt nicht nur die Nutzung der Giro- und Kreditkarten kontinuierlich zu. Im Onlinehandel haben sich Internetbezahlverfahren wie PayPal, Sofortüberweisung oder Lastschrift fest etabliert. Laut Bundesbank lag ihr Anteil im Jahr 2017 bei etwa 60 Prozent.

Mobile Payment im Aufschwung

Immer mehr Bedeutung gewinnt auch in Deutschland das Mobile Payment, das Bezahlen über das Smartphone oder die Smartwatch. Die Einführung von Google Pay und Apple Pay im Jahr 2018 dürfte einen großen Einfluss darauf gehabt haben. Aber auch einige Banken, Zahlungsdienstleister und Handelsketten bieten ihre eigenen Lösungen an.

Die Datenübertragung erfolgt entweder über NFC oder das Scannen eines QR-Codes. So ist theoretisch an vielen Points of Sale, vom Marktstand bis zur Supermarktkasse, ein unkompliziertes Bezahlen möglich. Dabei steht der Verbreitung dieser Methode entgegen, dass Mobile-Payment-Anbieter oft nur mit ausgewählten Banken kooperieren. Das Überlassen hochsensibler Daten an große amerikanische Internetunternehmen und die Angst vor Datenmissbrauch und Betrug sind in Deutschland ebenfalls ein Hemmnis.

In ihrem Mobile Payment Report 2019 bezieht sich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC auf Untersuchungen im Herbst 2018. Diese ergaben, dass 25 Prozent der Deutschen Mobile Payment bereits genutzt haben und 57 Prozent dies zukünftig in Betracht ziehen wollen. Die Sicherheit des Verfahrens ist dabei ausschlaggebend für seine Akzeptanz in der Bevölkerung. Deshalb wünschen sich viele der Befragten Mobile-Payment-Lösungen ihrer eigenen Bank, da sie dieser tendenziell mehr vertrauen als den großen Technologiekonzernen aus den USA.

Open Banking als Antwort auf aktuelle Herausforderungen

Die Entwicklungen im Bereich des bargeldlosen Zahlungsverkehrs lassen eine gestiegene Komplexität erkennen, verursacht durch neue Möglichkeiten und Anbieter. Banken müssen sich zunehmend gegen Technologiekonzerne durchsetzen, die ihre Aktivitäten von Beginn an auf digitale Strukturen aufgebaut und ihre Angebote nach und nach mit kundenfreundlichen Lösungen erweitert haben.

Um gegen diese Konkurrenz bestehen zu können, führt für etablierte Banken kein Weg am Open Banking vorbei. Das bedeutet, dass Banken offene APIs (Application Programming Interfaces) zur Verfügung stellen, was innerhalb der EU durch die PSD2 (Payment Services Directive 2) mittlerweile auch vorgeschrieben wird. Diese Schnittstellen ermöglichen den Datenaustausch mit Drittanbietern, z. B. für Zahlungsdienstleistungen, Bonitätsprüfungen, Zahlungsabgleich für die Buchhaltung oder Ähnliches. Die Kunden müssen in die Datennutzung einwilligen und sich mit mindestens zwei Faktoren (z. B. Karte, Smartphone, PIN, Fingerabdruck) authentifizieren. Bei Zahlungen per Kreditkarte erfolgt diese sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung durch das Verfahren 3D-Secure.

Der World Payments Report 2019 von Capgemini dokumentiert auch die Einstellung der Banken und Finanzdienstleister zum Open-Banking. Zwar empfinden 63 Prozent der Befragten die großen Technologiekonzerne als Bedrohung und 90 Prozent sehen digitale Ökosysteme mit vielen Partnern und umfassenden Zusatzleistungen für die Kunden als Voraussetzung für den langfristigen Erfolg. Die tatsächliche Umsetzung folgt jedoch meist nur den regulatorischen Anforderungen. Lediglich 48 Prozent möchten offene APIs in einer Art verwenden, die über die vorgeschriebenen Mindestanforderungen hinausgehen.